Grau in grau
| Titel | Lila, Lila |
| Filmbewertung vom | 17.12.2009 |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Hier versucht sich einer aus den Versatzstücken von Screwball-Comedy und romantischer Hochstaplerkomödie offenbar völlig schmerzfrei in die Herzen seiner Klientel zu schmuggeln - jawohl, mit Daniel Brühl als Satirezugpferd. Schon dafür verdient Regisseur Alain Gsponer die Rote Karte. Denn entsprechende Qualitätsnachweise blieb sein Hauptdarsteller bislang schuldig. Daniel in der Löwengrube des Literaturbetriebs ist denn auch trotz „Lenin!“ – Verdienstorden kein allzu aufregender Anblick. Die Romanvorlage des Bestsellerautors Martin Suter klingt ja noch einigermaßen passabel, aber Gsponer („Das wahre Leben,“ 2006) machte aus ihr ein überaus harmloses Kommödchen, drosselte zudem das Tempo nach gut Schweizer Art und könnte eigentlich beim Wettbewerb um den langweiligsten Film des Monats vorstellig werden.
Der unscheinbare Kellner David Kern (Daniel Brühl) betrügt aus Liebe. Er will die schöne Marie (Hannah Herzsprung) erobern. Mit welcher Großtat wäre die mehr zu beeindrucken, als mit literarischen Höhenflügen? Davids Erstlingsroman stürmt auf Anhieb die Bestsellerlisten. Der Haken, an dem die fragile Geschichte hängt: das Manuskript stammt nicht wirklich aus dessen Feder. David fischte es aus dem Papierkorb, zeigte es stolz seiner Traumfrau und die reichte es ungefragt bei Verlagen unter seinem Namen ein. So geringe Werktreue rächt sich. Einerseits funktioniert sein Werben um Marie, aber die im Licht stehen, sieht man nicht nur besser, sie haben auch Verpflichtungen. Bald werden die abzuleistenden Vorlesungen, Interviews und Autogrammstunden zur Qual. Zeit, das Spiel mit dem geborgten Ruhm zu beenden. Wäre da nicht die Angst des schüchternen Jungen vor dem Verlust seiner großen Liebe und wären da nicht die Erwartungen seitens der Verlage....
Dummerweise taucht just in dieser Phase ein ominöser Fremder (Henry Hübchen) auf, der Anspruch auf die Autorenrechte erhebt.
Statt rechtliche Konsequenzen ins Auge zu fassen, zeigt er sich hinsichtlich der weiteren Vermarktung äußerst kooperationsbereit. Allerdings zu seinen eigenen Konditionen.
Es ist ein Stoff, der das Zeug zu einer Abrechnung mit dem speziellen Marktsegment hat. Die Chance, hier mal kräftig auf den Medienputz zu hauen, ist leider vertan. „Lila, lila“ ist filmisches grau in grau; eine Unterhaltungsspezies, die gern vom Öffentlich-Rechtlichen gesponsert und dann nach Mitternacht versendet wird.
Bewertung
40%
© 2012 Martin Graetz
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