Im Wendekreis der Zeiten
| Titel | C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben |
| Filmbewertung vom | 21.04.2009 |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Es muss nicht immer Kaviar sein, wenn Menschen ihrem Hunger nach Zerstreuung nachgeben. Das Kerngeschäft der Unterhaltung wird schließlich auch nicht vom Geldadel gestemmt, sondern vom gut durchmischten Bürgertum. So oder so - entscheidend ist gottlob nicht wer was, sondern wie was hinten rauskommt. Nehmen wir „C'est la vie....,“ das zweite Werk von Rémi Bezançon. Gleich neun César-Nominierungen hagelte es für die melancholische Komödie des jungen Franzosen. Zwar könnte man einwenden, hier sei vielleicht ein zu großes Jubelrad gedreht worden. Der kommerziellen Schiene hat die organisierte Zustimmung wohl auch nicht geschadet. Bezançons Film hält die Konkurrenz an Frankreichs Kinokassen jedenfalls charmant auf Abstand - nicht zuletzt wegen des zugegebenermaßen einfallsreichen Drehbuchs, in das private Details aus dem Leben des Regisseurs einbezogen wurden. Es sind ausschließlich familiäre Versatzstücke – gekonnt verknüpft mit dem Faktor Zeit - die knapp zwei Stunden überdurchschnittlich intelligente Unterhaltung bieten. Und die kommen auf vergleichsweise leisen Pfoten. So ist (oder so kann es sein) das Leben einer fünfköpfigen „normalen“ Familie.
Das Ehepaar Marie/Jeanne (Zabou Breitman) und Robert (Jacques Gamblin) hat dreifachen Nachwuchs: Albert (Pio Marmai), der Erstgeborene, Raphaël (Mark-André Grondin), der Mittlere und Fleur (Déborah François) das Nesthäkchen. Albert fühlt sich mit seinen inzwischen 20 Jahren flügge genug und will ausziehen. Für Mama Marie-Jeanne geht der unvermeidliche Gang der Dinge zu schnell. Bald werden vermutlich die beiden Anderen folgen. Dann ist das Haus leer, sie und Robert werden vereinsamen; eine Befürchtung aus dem psychologischen Horrorkatalog. In dieses Szenarium hinein planen Eltern gern die Anschaffung des ersten Dackels. Aber mit solchen der Realität ab geschauten Plattitüden verschont uns Bezançon glücklicherweise, obwohl die Eltern durchaus mit dem eigenen Zeitfenster zu kämpfen haben. Stattdessen behält er über die volle Distanz von fünf verschiedenen Zeitebenen alle Beteiligten ernsthaft-liebevoll im Focus. Jeder Figur gesteht er eine eigene Episode zu.
Es sind teils absehbare kleine Katastrophen und große Freuden menschlichen Miteinanders, die der Film chronologisch einfängt und die ihn im Innersten zusammenhalten. Irgendwann raschelt es natürlich auch bei Raphaël und Fleur; so sind wir alle.
Wie sich das elementare Bedürfnis der Abnabelung auf das soziale Geflecht des Clans auswirkt, ist Komödie bester Tradition. Und spätestens wenn Regisseur/Drehbuchautor Rémi Bezançon das fünfte Element seiner Genre-Mixtur ausspielt, wird deutlich, dass er auch ein Mann für die bitteren Tränen ist. Das Menschlich allzu menschliche, hier wird es abseits der Kultur-Flatrate zum berührenden Ereignis.
So jung, so reif und noch ohne Beratervertrag für liegen gebliebene Talente, Monsieur? Das kann nicht wahr sein.
Fazit Gar nicht erstaunlich, sondern als folgerichtige Abrundung einer durchdachten und konsequenten Regie darf man die Arbeit der Schauspieler werten. Vor allem Zabou Breitman und Jacques Gamblin sind grandios. Hinzu kommt ein atmosphärisch dichter Soundtrack.
Ist es schon kein Leichtes, das Glück in uns selbst zu finden. Es woanders zu finden, scheint unmöglich – es sei denn bei magischen Momenten des Kinos à la „C'est la vie.“ So sind wir, so ist das Leben.
Bewertung
80%
© 2012 Martin Graetz
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