Magere Ausbeute
| Titel | So glücklich war ich noch nie |
| Filmbewertung vom | 07.04.2009 |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Vor exakt zwei Jahren sorgte ein absurd-komisches Porträt über kriminelle Märchenerzähler für großes Staunen und beste Kino-Unterhaltung. „Die Hochstapler“ - Dokumentation bot manch verheißungsvolles Element, auf das man auch beim nächsten Werk des Regisseurs zu hoffen wagte - eine fesselnde Story etwa, psychologischen Feinschliff der Charaktere, wenn`s recht ist und Schauspieler, die dem Ganzen durch höchstmögliche Präsenz Flügel verleihen. Derartige Blauäugigkeit gegenüber dem substanziellen Nennwert hierzulande musste sich natürlich rächen. Nicht, weil Alexander Adolph sich inzwischen mehr der fiktionale Seite des Metiers verpflichtet fühlt, sondern weil er gleich beim ersten Versuch, seelische Abgründe über das Spielfilm-Format abzuhandeln, einem artifiziellen Schalk aufgesessen ist. So unglücklich war der Betrachter schon oft. Immerhin bewies Adolph bei der Besetzung des Hauptakteurs Geschick. In der Rolle des notorischen Betrügers Frank brilliert Devid Striesow, dass sich die Querbalken biegen. Für eine abendfüllende Darbietung reicht es in dieser glücksfernen Produktion dennoch weder vorne noch hinten, weil der (Team)- Geist zwar willig gewesen sein mag (aus dem Schatten der Köpenick- und Felix Krull Vorbilder herauszutreten), das Drehbuch aber schwach. Bleibt zu hoffen, dass dem Regisseur die Charade zumindest langfristig bekommt. Denn der Einstand rechtfertigt nicht unbedingt blindes Vertrauen in seine Fähigkeit, verbeamteten Mimen ihre lieb gewonnenen TV-Standards auszutreiben.
Nun wissen wir: Das Glück ist Bestandteil der Traurigkeit und ohne diese sicher nicht zu ertragen. Eine Erkenntnis, die bei Frank Knöpfel (D. Striesow) nach dessen zweijähriger Haftstrafe wieder mal in den Praxistest geht. Der unverbesserliche Trickspezialist für Immobilien und vorgetäuschten Insiderhandel genießt die Freiheit nur mit Auflagen. Kurzfristig kommt er bei seinem Bruder Peter (Jörg Schüttauf) unter. Der lebt mit Freundin und gutem Gewissen in so geordneten Verhältnissen, dass man seine Glückshormone an einer Hand abzählen kann.
Eingebunden in dieses soziale Kontrastprogramm ist Franks Arbeitsstelle samt bestechlichem Vorgesetzten, sein schmieriger Bewährungshelfer, eine politisch derbe Karikatur der „Freien Liberalen“ sowie die unvermeidliche Rotlichtabteilung, in dem eine alternde Bordellchefin (Elisabeth Trissenaar) das Zepter über gerechte Nutten wie Tanja (Nadja Uhl) und ungerechte Knallchargen wie Mike (Christian Kahrmann) schwingt. Abgerundet wird das Ensemble des Überflüssigen durch die Russenmafia. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte aber ist Franks verhängnisvolle Neigung zu einträglichen Identitätswechseln, sich in immer neuen fremden Rollen zu verfangen. Genug prekäres Volk und Füllmaterial also, um die (Sumpf)- Blütenträume des Genres reifen zu lassen. Hat so aber nicht sollen sein.
Alexander Adolphs Intentionen galten offensichtlich nicht der Meisterdisziplin populärer Unterhaltung, sondern der einprägsamen Studie a la „Hochstapler.“ Nur, was er dort am originalen Subjekt überzeugend zu vermitteln verstand, schreit hier nach einem Rettungsplan. Frank, ein „erfolgreicher (Geschäfts)- Mann“ für viele Fettnäpfchen, versucht der Stigmatisierung als Rückfalltäter durch Fleiß und Disziplin zu entgehen. Ohne die Prostituierte Tanja (von Nadja Uhl strafwürdig fehl interpretiert) fiele das wahrlich leichter. Die Beiden begegnen sich erstmals in einer Boutique (Damenabteilung!), verlieren sich wegen Franks all zu langer Finger bei der Stoffwahl aus den Augen und treffen eines Tages erneut aufeinander. Zielstrebig macht der zwanghafte Lügenbold seine Profession zur Herzensangelegenheit; späterer Ärger nicht ausgeschlossen.
Fazit Für das Porträt eines gesellschaftlichen Außenseiters bläht sich der Film etwas zu personalintensiv auf. Zudem ist er überfrachtet mit Nebensächlichkeiten. Sollte es das Bestreben gewesen sein, seinem Debüt sprachliche Raffinesse vorzuenthalten, so ist Adolph zumindest dies gelungen. Wir sprechen vom Kino. Da zieht man es im Zweifel vor, Franks Sucht nach Anerkennung durch fintenreiche Gaunerstückchen illustriert zu sehen, statt Theorie beladener Selbstbefriedigung. Dennoch kann ein bisschen Dialogwitz Wunder wirken. Schade um die spannende Grundidee. Von ihr bleibt nur eine magere Ausbeute – irgendwie zwischen Fisch und Fleisch.
Bewertung
40%
© 2012 Martin Graetz
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