Henners Traum - Redaktionelle Kommentare Film

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Let´s make money

TitelHenners Traum
Filmbewertung vom24.03.2009
RedakteurMartin Graetz
Martin Graetz
Henners TraumFilm Bewertung
„......Das ist, was soll ich machen, meine Natur. Ich kann halt tolle Absichtserklärungen verfassen und sonst gar nichts.“ So wie sich das im neuesten Architekten-Manifest „Vernunft für die Welt“ niederschlägt. Ab kommenden Freitag liegt die neueste Eigenwerbung der ökologischen Weltenretter zur sinnfreien Betrachtung aus. Deren „geschärftes Bewusstsein“ für eine zukunftsfähige Ingenieurbaukunst dürfte abermals den Blick auf staunenswerte Bauklötze freigeben und sonst gar nichts. Unter solcherart (Schirm)- Herrschaft finden immer auch politische Träumer zueinander. Selten genug, um die Bauhaus-Mythen zu beleben. Aber stets bereit, der Menschheit rhetorische Luftschlösser zu verkaufen.

In diesem Fall ist es Bürgermeister Henner Sattler (62) von Hofgeismareiner, der mit überdimensionierten Machbarkeitsstudien auf die regionale Tube drückt und von den üblichen Verdächtigen in seinem Wahn bestärkt wird. Im Verein mit Stadtplanern, PR-Profis und dem gewieften Architekten Krause will er – schwer angezählter Kapitalmarkt hin, zweifelhafter Bedarf her - in seiner nordhessischen Pampas ein großes Ding aus dem Boden stampfen, ein Freizeitparadies ohnegleichen, das ultimative Tourismusvorhaben Europas. Mit bedingungslosem Pioniergeist allein ist es freilich bei der angepeilten 420 Mio. € - Anschubfinanzierung nicht getan. Das Risiko, auf der ganzen Kreditlinie einzubrechen, trägt ohnehin Sattler bzw. seine Gemeinde, nicht der in eigener Sache um den Erdkreis jettende Tom Krause. Um Investoren ins Boot zu lotsen, lässt Sattler mit missionarischem Eifer Promo-DVD`s und 3D-Ansichten noch zu erstellender Hotelanlagen fertigen. Sogar der zeitweilig für politisch tot erklärte Landesvater Roland Koch nimmt das gewählte Areal uneigennützig in Augenschein und hält Henners Visionen schließlich für unterstützenswert. Nun ja, sollten doch hier etwa 1000 zusätzliche Jobs als Wahlkampfargument anfallen.

„Stellen Sie sich vor: Hier ein Golfplatz, dort die Trabrennbahn, das Artist Village, der Wellnessbereich“ - man schwärmt sich aus dem Off in schönere Gefilde.

Aber die Realisierbarkeit des gigantischen Vorhabens birgt zu viele Tücken für das wackere Stadtoberhaupt. Sattler denkt, während seine potentiellen Geldgeber lenken - und zwar nie in Henners blanke Sammelbüchse. Zudem erschwert die ungewisse Wirtschaftslage mit ihrer weltweiten Immobilienkrise das Klinkenputzen für ein so phantastisches Objekt der örtlichen Begierde. Kein Wunder, dass sich am wechselseitigen Gelöbnis treuester Gefolgschaft für ein „absolutes Leuchtturmprojekt“ (wie Tom Krause in die verschlafene Landschaft brüllt) auch milde Zweifel einschleichen. Was als ökonomisches Gesamtkunstwerk, als „Sensation für ganz Europa“ gedacht war, scheitert nicht zuletzt am unglücklichen Timing. Auf 800 Hektar klammer Scholle hatten die Hauptbeteiligten (Henner Sattler und Tom Krause) ein Konglomerat vermeintlicher Freizeitattraktionen hervor zaubern wollen: 5 Hotels der gehobenen Kategorie, 600 Villen und Ferienwohnungen, eine Lagunenlandschaft, eine Trabrennbahn mit angeschlossenem Pferdezentrum und einem Poloplatz. Die Rechnung ging nicht auf, obwohl der Trend zu künstlich aufgeschütteten Luxusoasen eigentlich ungebrochen ist.

Klaus Stern („Leben und Sterben des Werner Koenig,“ 2007), selbst 1968 in dieser Region geboren, dokumentiert in seiner Langzeitbeobachtung die Stationen einer riesigen Fehlkalkulation; das teils euphorische, teils verzweifelte Bemühen der Betroffenen um gesellschaftliche Anerkennung, ihren an Größenwahn grenzenden Einfallsreichtum bei der Suche nach Investoren, ihren hessischen Dickschädel, um nahezu jeden Preis mit den Großen der Branche gleichziehen zu wollen, die eigene Lebensleistung womöglich mit einem Dubai-ähnlichen Feuerwerk aufzuwerten. Der Filmemacher beherrscht die Disziplin des unaufgeregten Wahrnehmens und des sich Einfühlens in unausweichliche Zwänge seiner Protagonisten wie nur wenige in Deutschland.

Fazit
Sterns Traumdeutung ist ein ehrlicher Heimatfilm.

Bewertung
60%

© 2012 Martin Graetz
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