Reise in das Reich der Camorra
| Titel | GOMORRHA - Reise in das Reich der Camorra |
| Filmbewertung vom | 09.09.2008 |
| Redakteur | Mathias Bornemann
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Film Bewertung Man nennt sie Mafia, Triaden oder auch Camorra. Doch was genau steckt hinter diesen Bezeichnungen und was passiert wirklich innerhalb dieser Verbrecherorganisationen, deren Taten nur all zu gerne einem Ehrenkodex zugeschrieben und damit heroisiert werden? Matteo Garrones "Gomorrha" macht endlich Schluss mit derlei Stilisierung und darf damit ebenso wie die Bestsellervorlage von Roberto Saviano als Kriegserklärung an die Camorra angesehen werden.
Über mehrere Jahre hinweg hat Roberto Saviano Auge in Auge mit dem Verbrechen im Innern der Camorra geforscht und damit sein Leben riskiert. 2006 veröffentlichte er seine Recherchen, die mit bislang nicht gekannter Offenheit die Machenschaften der neapolitanischen Verbrecherorganisation entlarvt. Die Reportage schlug in den Bestsellerlisten sensationell ein, doch der Autor führt seitdem ein Leben unter ständigem Personenschutz an geheimen Aufenthaltsorten. Zweifelsohne ein Stoff für eine filmische Adaption, welche jedoch ein ebenso heißes Eisen sein dürfte, wie die literarische Vorlage. Aus Sicherheitsgründen zunächst ausschließlich für Dreharbeiten im Studio geplant, entschloß sich der Regisseur dann doch die Zelte am Ort des Geschehens aufzuschlagen, um ein möglichst unverfälschtes Bild wiedergeben zu können. Mit von Hand geführter Kamera entstanden so intuitiv eingefangene Bilder, die zwar inszeniert und in einen dramturgischen Rahmen eingebettet sind, letztendlich den Film aber mehr als dokumentarisches Zeugnis denn als Spielfilm wirken lassen.
GOMORRHA erzählt in fünf Episoden von Schicksalen, die exemplarisch für ein Leben an jenen Orten stehen, wo tausende Männer und Frauen, viele davon noch sehr jung, täglich von kriminellen Kräften, sowie deren Gewaltausbrüchen kontrolliert werden. Der 13–jährige Totò wächst in diesem Umfeld auf. Sein Vater sitzt im Gefängnis und er und seine Mutter sind auf die finanzielle Hilfe der Scissionisti angewiesen. Da das Geld knapp ist, entschließt er sich für den Clan Di Lauro zu arbeiten und gerät so mitten hinein in einen unerbittlichen Bandenkrieg. Ein anderes Beispiel ist Roberto. Gerade die Universität abgeschlossen, nimmt er ein Angebot des Geschäftsmannes Franco an. Dessen Gewerbe jedoch, das des Giftmüllmanagements, ist im wahrsten Sinne des Wortes so dreckig, dass Roberto dies mit seinem Gewissen auf Dauer nicht vereinen kann. Marco und Ciro wiederum sind überzeugt davon, ihr Leben sei buchstäblich Brian de Palmas Film "Scarface" entsprungen. Mit Überfällen versuchen sie sich als "Selbständige" ohne Rückhalt eines Mafia–Clans über Wasser zu halten. Ein sehr naives Verhalten, das nicht ohne Konsequenzen bleibt.
Fazit GOMORRHA hat kein wirkliches Ende, so wie auch die Mafia–Gewalt kein Ende findet, und es wird deutlich, dass sich auch nach dem Abspann des Films die Gewaltspirale unaufhörlich weiter dreht. Dieser Einblick in das Reich der Camorra ist zutiefst erschütternd, aber ein unerlässliches Zeitdokument, dem man sich keineswegs verschließen sollte.
Bewertung
80%
© 2012 Mathias Bornemann
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