Lust in Ketten
| Titel | Black Snake Moan |
| Filmbewertung vom | 02.07.2007 |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Seit seiner Rolle in Quentin Tarantinos „Pulp Fiction,“ (1994) wird Samuel L. Jackson unter die 100 größten Filmcharaktere aller Zeiten eingereiht. An der Seite John Travoltas trumpfte „The King of Cool“ im Gewand eines philosophierenden Killers mächtig auf. Auch in dem bluesgetränkten Exorzismusableger von Craig Brewer kommt er als gottesfürchtiger Mann in Black ganz passabel rüber. Seine magische Strahlkraft entfaltet sich hierbei jedoch nur bedingt, weil der Part einer verbitterten Seele nicht so recht auf seinen massigen Leib zugeschnitten scheint. Jackson alias Lazarus nimmt sich in „Black Snake Moan“ des stadtbekannten Nymphchens Rae (Christina Ricci) an. Die wurde Opfer eines sexuellen Übergriffs im Auto mit fast tödlicher Sicherheitsverwahrung im Straßengraben. Dort liest Lazarus die Halbnackte in erbarmungswürdigem Zustand auf, pflegt sie, will vor allem ihre seelischen Blessuren heilen. Die Mittel, derer er sich dabei bedient, sind wahrhaft unkonventionell. Mit einer dicken Eisenkette, die gerade noch innerhäuslichen Spielraum zulässt, bindet er den schmächtigen Körper an die Heizung. Lazarus verknüpft mit der biblischen Rosskur die Hoffnung auf umfassende Gesundung des Mädchens. Rae vom sündigen Pfad hemmungslosen Begehrens abzubringen, stellt sich freilich als zweischneidiges Schwert heraus. Denn dieses Vorhaben tangiert auch seine persönliche Schieflage.
Eigentlich hat Lazarus ja mit sich selbst genug zu tun. Er ist pleite, seine Ehe zerbrochen und im Rausch des Blues war der Musiker schon lange nicht mehr. Jetzt also kompensiert der Mann mit dem Namenspatron von Bettlern und Aussätzigen die eigenen Schicksalsschläge durch hyperaktive Nächstenliebe an einer „Schlampe“ im Fieberwahn. Deren Angst-Paranoia wurde früh angelegt:
Als Kind missbraucht, von der Mutter verstoßen, später im Dutzend von Männern benutzt, klammert sie sich an die Liebe zu Ronnie (Justin Timberlake). Der aber macht sich aus dem Staub. Rae betäubt ihre Verzweiflung mit Drogen und vergibt ihre Gunst erneut an Jedermann bis sie schließlich jede Haftung verliert - letzte Ausfahrt Lazarus. Nur der vermag dank unorthodoxer Methoden und im Zusammenwirken mit Rae den Teufelskreis innerer Verstrickungen zu durchbrechen – auch bei sich selbst. Dass sich Raes Erlösung ohne den Beistand höherer Mächte vollzieht (obwohl man zwischenzeitlich wegen manch christlicher Metapher ins Grübeln verfällt), sondern in Gestalt des heimgekehrten Ronnie, gehört zu den glaubwürdigen Wendungen der Vorlage. Wie Craig Brewer (Regie/Drehbuch) in seinem dritten Spielfilm generell den realitätsnahen Bezug wahrt; Täter und Opfer sind stets austauschbar.
Fazit Gewagt, aber souverän meistert Christina Riccis ihren Seelenstriptease. Es war sicher der schwerste Job in dem Beziehungsclinch und er dürfte für sie nicht frei von Karriere-Fallstricken sein. Im Gegensatz zu Ronnie/ Popstar Timberlake, auf dessen Betreiben sogar der wohlgeformte Nacktarsch nachträglich herausgeschnitten werden musste, entblößt sich das personifizierte Gegenteil von Sex hier bis zur Selbstausbeutung. Gerechterweise soll festgehalten werden, dass Justin Timberlake eher einen Gastauftritt zelebriert und vielleicht deshalb nicht richtig ins Spiel findet. Ebenfalls stark unterbelichtet sind die anderen Nebenfiguren. S. Epatha Merkerson schmeichelt sich als Angela in das nunmehr befreite Herz von Lazarus. Profil wirft das nicht ab. John Cothran jr. als Reverend R. L. versorgt den gefallenen Engel Rae mit göttlichen Weisungen. Auch er gewinnt kaum an Statur. Damit beißt sich die schwarze Schlange in den eigenen Mecker-Schwanz und trübt so den positiven Gesamteindruck.
Bewertung
60%
© 2012 Martin Graetz
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