Ein gutes Jahr
| Titel | Ein gutes Jahr |
| Filmbewertung vom | |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Für Max Skinner (Russel Crowe) ist der schnelle Gewinn durch nichts zu ersetzen. Er kommt dem Ideal eines karrieregeilen Kotzbrockens recht nahe. Wie einst Gordon Gekko in Oliver Stones "Wall Street" hat der Londoner Börsenjongleur skrupelfreie Power in den Genen. Der Lohn kann sich sehen lassen: Protz-Loft an der Themse, exklusive Straßenschlitten, Designerklamotten - was der Finanzhai von Welt eben so fürs Wohlbefinden braucht. Und natürlich pflastern dabei auch gedemütigte Rivalen seinen Weg.
Hätte man nicht gedacht vom kleinen Max, mit den uns Regisseur Ridley Scott per Rückblende in die Psyche des nunmehrigen Workaholics einführt. Der Jüngling verbrachte oft die Ferien auf dem französischen Weingut seines geliebten Onkels Henry (Albert Finney) und lauschte dessen gesammelten Weisheiten.
Wohl war der Kontakt zwischen ihnen längst abgebrochen. Dennoch macht das Ableben des exzentrischen Onkels Max zum Erben von La Siroque. Nun offenbart sich bei Max der edlen Gedanken Blässe. Dem Wertpapier-Broker schießen nur Banknoten durchs Hirn: verkaufen, verkaufen.
Vor Ort stellt sich die juristische Abwicklung samt verwandtschaftlicher Unebenheit jedoch als ermüdender Treiber für einen verkorkten "Lebe-die-Liebe-Verschnitt" heraus. Ridley Scott streckte den dramaturgischen Gärungsprozess des Plots auf süffige zwei Stunden, um aus Max ein Herzensfass ohne Boden zu machen. Scott und Russel Crowe, seit "Gladiator" (2000) freundschaftlich verbunden, lösten sich für "Ein gutes Jahr" von tödlichen Metaphern und nahmen sich Aspekte der Reinkarnation vor.
In Peter Mayle, gebürtiger Engländer, langjähriger Scott-Spezi und beauftragter Autor der gleichnamigen (Bestseller)-Vorlage, fand sich der unsichtbare Dritte für eine Verfilmung, der zuviel Freundschaft oder Wein den klaren Blick getrübt hat. Dem australischen Star Crowe die Hauptrolle übertragen zu haben, kommentierte der Regisseur mit den Worten: "Ich wusste, dass Russel die Idealbesetzung für Max sein würde. Er trägt im Kern einiges von der unschuldigen Persönlichkeit in sich, die auch Max auszeichnet. Er ist einfach ein Genie"
Das Problem: die erste Hälfte des Zitats bezieht sich allenfalls auf ein Viertel der Handlung. Das füllt das "Genie" tatsächlich mit Glaubwürdigkeit. Realistisch spiegelt sich darin das Bildnis eines miesen Charakters, dem schließlich der Job entgleitet, nachdem die Firma seine fragwürdigen Wertpapier-Geschäfte unter die Lupe nahm. Als Sinnsucher, als Frauenversteher, als Komödiant hingegen wirkt Crowe peinlich überfordert; eine glatte Fehlinvestition. Der Wandel vom Zyniker zum lebens- und liebes bejahenden Menschen bleibt blanke Behauptung - schlicht, aber überhaupt nicht ergreifend.
Fazit Der Film zeigt sich immer dann von seiner besten Seite, wenn er die Provence ins gleißende Licht rückt. Dass Max dem liebenswerten Landstrich die reizende Café-Besitzerin Fanny (Marion Cotillard) abgewinnt, dass er es unerwartet mit einer potentiellen Erbin, der bislang unbekannten Cousine (Abbie Cornish) aus Kalifornien zu tun bekommt, dass der Verwalter Maxens Absichten mit Argwohn verfolgt - all diese Standardkonflikte und Verheißungen hat selbst die Wünschelrute der deutschen TV-Unterhaltung ausgemacht.
"Ein gutes Jahr" ist kein guter Jahrgang. Dem verdienten Recken Albert Finney mögen zum Abschluss seiner großen Karriere schönere Alterswerke als solche Feelgood-Movies beschieden sein.
Bewertung
50%
© 2012 Martin Graetz
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