Flutsch und weg - Redaktionelle Kommentare Film

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Flutsch und weg

TitelFlutsch und weg
Filmbewertung vom04.12.2006
RedakteurMartin Graetz
Martin Graetz
Flutsch und wegFilm Bewertung
Wenn das Kino (im wortwörtlichen Sinne) zum Freudenhaus wird, oh du selige.... Zu erleben beim Unter-Tage-Vergnügen der tierischen Parallelwelt.

Es ist unbestreitbar Bestes vom Tower, was da auf den entseelten Weihnachtsbasar zukommt. Der Preis für das Animationshighlight war mit 143 Mio. Dollar freilich nicht eben knapp kalkuliert, weshalb bereits (zumindest in Amerika) Gewinnwarnungen kursieren.

Um die eigenen Boxoffice-Hits "Chicken Run" sowie Oscar-Gewinner "Wallace & Gromit" zu übertreffen, kooperierten die Dream-Worker erneut mit Aardman Features; diesmal ohne (Knet)-Gummi. Hier ist denn auch nicht alles 100% waterproof; außer dem leicht beknackten Titel, vielleicht die einzige Schwachstelle des fulminanten Gaggewitters.

Nick Park, der Mann mit den visionären Plastilinfiguren, konnte seine zeitraubende Stop-Motion-Methode bei der dritten Zusammenarbeit offenbar nicht einbringen. Am zukunftweisenden Digitalkonzept führt eben kein Mousepad mehr vorbei, der Charmeverlust ist aber unverkennbar. "Flutsch und weg", die zur Gänze (in Kalifornien) computergenerierte Sendung mit der Maus, macht dafür auf allen anderen Ebenen Boden gut.

Der goldene Käfig muss als Wille und Vorstellung eines kleinen Nagers nicht die schlechteste aller Welten sein. Roddy St. James, der fröhliche Insasse, führt ein Leben wie (Mäuse)-Gott in Frankreich. Er ist Luxusgefangener einer wohlhabenden Familie im Nobelviertel Kensington. Das wahre Leben im tiefer gelegenen London kennt er nicht. Das ändert sich, als seine Menschenfamilie verreist und das Becken den stinkenden Spülgesellen Sid ausspeit. Der hält sich nicht lange mit Neidgefühlen auf, sondern vollzieht die Komplettübernahme des Reviers, indem er Roddys Zukunft in den WC-Wirbel stürzt.

Das Paradies scheint verloren, das Abenteuer Leben beginnt. Des Öfteren sind die eingebauten Schikanen von Roddys Flugbahn so hart, dass man um sein Heiratsgeschirr fürchtet. Roddy lernt die tiefsten Tiefen unterhalb des Piccadilly-Universums kennen, wo ihn rassistische Amphibien und andere Bösewichtel erwarten.

Er fällt bei seiner Tour de waterworld direkt in Ritas Boot. Das ebenso resolute wie süße Mäusegirlie ist ihrerseits in ständiger Rückwärtsbewegung vor Toad, dem Krötenboss. Der will ihr einen wertvollen roten Stein abjagen. Le Frosch, der französische Profikiller, möchte Beiden ans ständig durchnässte Fell. Unser Mauseheld ist bei zwielichtigen Freunden zu Gast. Und mit Rita ist Roddy auch noch nicht durch. Zwar verlief seine Begegnung mit ihrer schrägen Sippe passabel, einer echten Alternative für sein Heimweh steht jedoch ihre hartnäckige Kratzbürstigkeit entgegen. Ganz wie im richtigen Leben bringt erst die Einsicht in praktische Erfordernisse die (Er)-Lösung - nur gemeinsam können sie dem Feind Paroli bieten.

Fazit
An dem Film wirkt nichts verschenkt. Das Set ist bis ins kleinste Detail liebevoll ausgestaltet, ganze Teile Londons hat man dafür im Untergrund nachempfunden. Handlungstempo und Sprachwitz sind gleichermaßen auf Spitzenniveau. So wünscht man sich intelligentes, familientaugliches Kino. Und das nicht nur zur Winterzeit - nein auch im Sommer, wenn's nicht schneit...

Bewertung
80%

© 2012 Martin Graetz
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