La vie en rose - Redaktionelle Kommentare Film

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La vie en rose

TitelLa vie en rose
Filmbewertung vom19.02.2007
RedakteurMartin Graetz
Martin Graetz
La vie en roseFilm Bewertung
An literarischen und cineastischen Würdigungen für Frankreichs einzigartige Chansonnette fehlte es bisher schon nicht. Nie aber hat das (von ihrem Entdecker Louis Leplée als "Spatz von Paris" apostrophierten) Klangwunder eine solch purpurne Breitseite abbekommen wie durch "La Vie En Rose".

Das Berlinale-Publikum beklatschte die zum Eröffnungsfilm erkorene Piaf-Vita von Olivier Dahan auch recht artig. Wirklich überzeugend freilich fiel das Biopic-Drama nicht aus. Es bot, um gleich etwas Berliner Luft abzulassen, den angemessenen Vorgeschmack auf einen eher durchwachsenen Wettbewerb.

Landsmann Olivier Dahan hatte sich zuvor noch nicht nennenswert profilieren können. Und besonders nach "Die purpurnen Flüsse 2" (2004) war man vor überspannten Erwartungen seiner Regiekunst ohnehin gefeit. Dass die gefühlige Hommage an die Chanson-Legende ihren massentauglichen Reiz hat und nicht völlig im Schicksalsbad ertrinkt, ist der Hauptdarstellerin zu danken. Die hierzulande fast unbekannte Marion Cotillard ("Big Fish", 2003 / "Mathilde - eine große Liebe", 2004) fand hier möglicherweise zur Rolle ihres Lebens. Im Zusammenspiel mit der Maske kommt sie nicht nur dem äußeren Erinnerungsbild der Piaf gespenstisch nahe, sondern lebt dieses zerrissene Wesen vor der Kamera mit größter Intensität aus.

Was dem von Dahan komprimierten Mythos abgeht, ist der Nachvollzug künstlerischer Wellenschläge. Vielen heute noch populären Sängern, Schauspielern und Komponisten war der 1,47 Meter kleine "Spatz" Förderer (und je nachdem leidenschaftliche Gespielin): Francis Lai, Gilbert Bècaud, Eddie Constantine, Paul Meurisse ("Die Teuflischen"), Yves Montand ("Lohn der Angst"), Charles Aznavour ("Schießen sie nicht auf den Pianisten") oder George Moustaki, der sich mit "Milord" verewigte.

In stilisiertem Kurzauftritt wird lediglich Marlene Dietrich (die ihre Trauzeugin war), aber schon kein Jean Cocteau mehr eingeführt. Diese Persönlichkeiten und deren geistige Reflexionen mit dem Chanson-Idol unterschlägt der Film gänzlich. Stattdessen strapaziert die Vorlage Piafs zugegebenermaßen schwere Kindheit in nervtötender Weise. Die nicht immer souveräne Bildführung switcht dazu, dass es eine ARTE ist.

Das zweite Drittel des 140-Marathons widmet sich der tragischen Affäre Edith Piafs zu dem verheirateten Boxweltmeister Marcel Cerdan (Jean- Pierre Martins). Der Vater dreier Kinder in Marokko gilt als die große Liebe ihres Lebens. Während einer Tournee 1949 durch die USA drängt sie ihn, so schnell wie möglich zu ihr zu kommen. Cerdan storniert seine Schiffspassage und bucht einen Flug. Die Maschine und beider Träume zerschellen auf den Azoren.

Schwerpunkt im Schlussdrittel sind Ediths Depressionen, der zunehmende Alkohol- und Drogenkonsum sowie der rapide Verfall ihres Körpers als Folge des emotionalen Schocks. Sie brachte sieben Operationen und unzählige Entziehungskuren hinter sich. 1962 geht sie mit dem 20 Jahre jüngeren Sänger Théo Sarapo eine für damalige Wertmaßstäbe skandalöse Ehe ein (ihre 1952 geschlossene Verbindung mit dem Sänger Jacques Pills war 1956 gescheitert). Im gleichen Jahr singt sie vom Eifelturm für eine riesige Menschenmenge (was im Film ebenfalls keine Erwähnung findet); ein Triumph vor Toresschluss.

Zusammenbrüche werden für die unheilbar an Krebs leidende inzwischen der Normalfall; der Spatz hat sich die Flügel verbrannt. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten stirbt Frankreichs berühmteste Chansonsängerin am 11.Oktober 1963 im südfranzösischen Grasse. Vier Tage später nehmen 40 000 Trauernde im Pariser Friedhof Pére Lachaise Abschied von ihr. Gut 200 Lieder auf Schallplatte zeugen von ihrer überragenden Stellung innerhalb des Musiklebens. Daran kann keine Marielle Mathieu rütteln.

Fazit
Wenn Piafs Stimmgewalt die Oberhand gewinnt, hat das Filmdenkmal ergreifende Momente. Ansonsten bevölkert das Set verwirrend viel uninteressantes Personal. Gérard Depardieu als Besitzer des Revuetheaters "Gerny's" und Mentor Edith Piafs legt einen seiner kürzesten Auftritte hin, da Louis Leplée ein knappes Jahr nach der denkwürdigen Begegnung mit dem späteren Superstar einem Raubmord zum Opfer fiel. In die polizeilichen Untersuchungen wurde übrigens auch die Piaf einbezogen, weil man sie zunächst der Mitwisserschaft bezichtigte.

Die zierliche Frau mit der großen Stimme kämpfte sich in ihren 47 Lebensjahren voller Ambivalenzen nach ganz oben. Die eigene Tochter hatte weder an ihren Erfolgen, noch an ihren Niederlagen Anteil; Marcelle starb zweijährig an Hirnhautentzündung.

Bewertung
40%

© 2012 Martin Graetz
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