Grenzdebiler Humor
| Titel | Grenzdebiler Humor |
| Filmbewertung vom | 09.04.2007 |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Man kann auch von Fettnäpfchen leben; Oliver Pocher beweist es. Während der Sendung „Gottschalk & Friends“ zog er gegen Pop-Diva Mariah Carey blank, indem er sie beleidigte und mit Wasser bespuckte. Als Gast bei „Wetten, dass..? amüsierte er sich gegenüber einer Zuschauerin mit der coolen Eingebung: „Du siehst ganz schön alt aus für dein Alter.“ Die so Verunglimpfte fand das gar nicht lustig, lehnte eine Pro-forma-Entschuldigung ab und beschritt den Rechtsweg. Dieser Konflikt konnte nicht einmal außergerichtlich beigelegt werden. Der selbsternannte B-Promi wurde schließlich zu 6000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Das war bestens an gelegte Eigenwerbung des Sprüchmännchens. Pro 7, der Raab bewegte TV-Kanal, billigte dem Vollidioten daraufhin noch größere Humor-Resistenz zu. Prompt buhlte die mittlerweile zur „Kultfigur“ gepushte Dumpfbacke um Ausweitung seiner grenzdebilen Kampfzone. Ja, und wirklich angemessen kann sich sein talentfreies Wirken naturellement nur auf der großen Leinwand entfalten. Das oft im Irrealen verankerte Filmgeschäft nahm künstlerisch Maß, befand dass es gut sei und machte bei den üblichen Verdächtigen Steuermillionen locker. Ob Filmstiftung NRW, Filmförderungsanstalt (FFA), Medienboard Berlin-Brandenburg oder Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medientat – unisono gingen sie dem „griffigen,“ tatsächlich abstrusen Loser-Plot von Regisseur Tobi Baumann auf den Leim. Dabei steht weit Schlimmeres bevor, weil die „beißend ironische und authentische Komödie“ als Auftakt einer Reihe ähnlich gelagerter SENATOR-Produktionen gedacht ist. „Das kleine Arschloch und der alte Sack“ (2006) werden auf Zuwachs getrimmt. Einstweilen gilt es, den Klischee-Sumpf um „Top-Comedian“ Oliver Pocher trocken zu legen.
Der geht als Titelfigur mit einem XXL-Tunnelblick in die 102-minütige Cinemascope-Sause:
„Nicht alle Männer sind Idioten. Manche sind Vollidioten und in den meisten Fällen Singles.“ Wohlan denn – vortreten zum Idiotentest.
Telefonverkäufer Simon Peters (O. Pocher) aus Köln sieht ziemlich frustriert seinem 30. Geburtstag entgegen. Die Freundin hat ihn verlassen. Eine neue, geschweige bessere, findet er nicht. In seiner karg möblierten Unterkunft hilft ihm fürs erste manch Tässchen Kölsch über die Halluzination, ein Frauenflüsterer zu sein. Selbst der Urlaub auf den Kanaren endet für Simon als „zwischenmenschlicher 11. September.“ Nach seiner Rückkehr durchschreitet der Handy-Man den linken Airportausgang mit der Aufschrift NICHT GEVÖGELT. Klar doch, die Fluggäste auf rechts haben wohl GEVÖGELT. Die Vorsehung lässt den Vulgär-Tölpel einfach nicht zum Schuss kommen, obwohl er seine Hühnerbrust unübersehbar mit FICKEN schmückt. Da bleiben nur noch die peinlichen Kuppelversuche seiner kroatischen Putzfrau. Während dieser Einstellungen muss in den Machern der Gedanke gereift sein, ihr Budget mit etwas Product placement aufzumöbeln. Also dokumentiert Simon Peters seinen spermanenten Single-Status durch den Kauf eines IKEA-Einsitzers – alles Kracher zum Wegschmeißen. Im Telefonladen waltet indes die Filialleiterin (Anke Engelke) ihres nichtsnutzigen Amtes. Die „Eule“ sitzt Simon wegen eines Mobilfunkvertrages mit einer (Achtung: Supergag!) Achtjährigen im Nacken. Dem Betriebsfrieden und der Logik kommt das nicht eben zugute. Hauptsache, man labert ungereimtes Zeug. Alles Pocher...oder was? Traurig aber wahr. Wie diese unflätige Nulpe sich erst unsterblich in die falsche Frau verliebt, schlussendlich aber ihr unverdientes Glück findet, hält man im Kopf nicht aus. Allein schon wegen der fehlenden Überzeugungskraft; der mediale Pausenclown bringt es einfach nicht. Wenn der filmkünstlerische Aufschwung in diesem Land von einem Vollidioten begleitet wird, kann Opas Kino noch nicht wirklich tot sein.
Fazit Nachzutragen wäre in dem Zusammenhang noch ein Anfall unfreiwilliger Komik. Vor der Pressevorführung in Köln drückte Tobi Baumann in launigen Worten seine Zuversicht aus, man werde seine Arbeit zu schätzen wissen. Er jedenfalls sei mit sich selbst äußerst zufrieden und mit dem Team einig, glänzende Arbeit geleistet zu haben. Na danke Anke.
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© 2012 Martin Graetz
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