Kirschen in Nachbars Garten
| Titel | Du bist nicht allein |
| Filmbewertung vom | 16.07.2007 |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Was Roy Black einst mit einem seiner größten Hits auf den unrühmlichen Schmalzpunkt brachte, war dies: Schön ist es auf der Welt zu sein, wenn man träumt von der Liebe. Dumm nur, dass diese Gefühlslage zumeist wenig Dividende abwirft; von wegen, du bist nicht allein...
Bei Hans Moll (Axel Prahl) laufen die Dinge nicht gerade rund. Er ist arbeitslos und verheiratet - zwei einschlägige Spaßbremsen, die ihn auf Lethargiekurs brachten. Während sein zappeliges Weib (Katharina Thalbach) über die Wursttheke zur Wachhabenden einer Sicherheitsfirma aufsteigt, tut sich der Hans im beruflichen Pech schon schwer, den Sohn ins Freibad zu begleiten. Wird er sich am Ende Kurt Cobain mäßig ins Nirwana schießen? Nein, so rabenschwarz mochte Bernd Böhlich (Buch & Regie) den komödiantischen Hobel bei seiner zweiten Kinoarbeit denn doch nicht ansetzen. Hans Moll nimmt alle Gartenzwergmentalität für das Bemalen der Balkontrennwände zusammen. Wenigsten ein bescheidenes Hobby mildert seine prekären Lebensumstände. Als nebenan die agile Russin Jewgenia (Katarina Medvedeva) mit Tochter einzieht, ist es um den Einfaltspinsel geschehen; er verliebt sich in die Fremde. Spontan schleppt er ihre Umzugskartons, überzieht das Familienkonto wg. intensiver Pflege der seelischen Landschaft und genießt die Aussicht, wiedergeliebt zu werden. Doch im Ostberliner Plattenbau ist nicht eitel Freude. Der glücksbewegte Mann überwindet nur scheinbar die Monotonie des Alltags. Schließlich aber erweisen sich die Kirschen in Nachbars Garten als zu sauer. Die Zuneigung bleibt einseitig. Und Hans Molls Ehe steht auf dem Prüfstand. Die Konsequenzen seiner temporären Verzückung bedeuten für jeden einen Neubeginn.
Schade, dass dem Handlungsgerüst – für dessen soziale Komponente originellere Einfälle vorstellbar sind - manchmal die inszenatorischen Pfeiler weg brechen. Aus der Not unausgeschöpfter Wundmale bei seinen Sympathieträgern behalf sich Bernd Böhlich mit einer entbehrlichen Tugend, indem er eine weitere Erzählebene einfädelt. Die Geschichte vom depressiven Physiker Kurt Wellinek (Herbert Knaup) und dessen Dissonanzen mit Frau Sylvia (Karoline Eichhorn) sichert dem Film große TV-Kompatibilität, kaschiert aber kaum die zugrunde liegende Drehbuch-Schwäche. Auch der süffisante Gastauftritt Mathieu Carrieres als Studiomanager macht das nicht vergessen.
Fazit Dass man dem Streifen trotzdem echte Höhepunkte zubilligen muss, ist fast ausschließlich Axel Prahl zu danken. Wenn der, aufgefordert, ebenfalls einen Liedbeitrag zu leisten, als verliebt verunsicherter Gockel sein „Du bist nicht allein“ in die russische Nachbarschaftsrunde haucht, rührt das zutiefst. Im Kontrast zu Ehefrau Katharina Thalbach, der man allerlei platte Symbolik in die Berliner Schnauze gelegt hat, sticht das differenzierte Spiel von Prahl/Hans besonders stark hervor. Die übrigen Darsteller wirken etwas unterbeschäftigt und lassen ihre Präsenz auf halber Treppe liegen. Herbert Knaub als vom Trennungsschmerz geschlauchter Akademiker schaut gelangweilt dem Leben der Anderen zu. Und um auf Karoline Eichhorn einen künstlerischen Felsen zu bauen, braucht es auch einige Zuversicht. Fiele ihre Rolle als Job suchende Schauspielerin nachträglich der Schere zum Opfer – keiner würde es merken. So summiert sich die in Russland geborene Katerina Medvedeva als angehimmelte Mitbewohnerin Jewgenia zum weiblichen Aktivposten des Films. Über denselben fasst Regisseur Bernd Böhlich seine Intension folgendermaßen zusammen: das sei „eine Problematik und ein Konflikt, der zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften enorme Wichtigkeit hat.“
„Oh glaub mir: Du bist nicht allein.....Es haben tausend Menschen Sehnsucht, genau wie du. Ja, ja, ja: Du bist nicht allein.....
Bewertung
60%
© 2012 Martin Graetz
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