Zusammen ist man weniger allein - Redaktionelle Kommentare Film

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Pariser Geschichten

TitelZusammen ist man weniger allein
Filmbewertung vom13.08.2007
RedakteurMartin Graetz
Martin Graetz
Zusammen ist man weniger alleinFilm Bewertung
Der Phase beinharter Skandal-Sex- und Geständniselaborate scheint Frankreich für`s erste abgeschworen zu haben. Im Land des verwöhnten Gaumens wechselt man derzeit den literarischen Geschmack zugunsten märchenhafter Welten. Maßgeblich beteiligt an der Trendwende ist die Autorin Anna Gavalda, deren zärtlich-romantische Sicht auf die Alltagssituationen einfacher Menschen der Originaltitel „Zusammensein ist alles“ bestens auf den Punkt bringt. Das Buch wurde bereits in 30 Sprachen übersetzt und steht auch hierzulande auf der Bestsellerliste. Claude Berri, Schauspieler, Regisseur, Produzent und Dokumentarfilmer („Am Rande der Nacht,“ 1983 / „Germinal,“ 1993) bereitete daraus einen bekömmlichen, wenngleich nicht klischeefreien „Stärkungstrank“ für die zutiefst ratlose Grande Nation (wie die Zeitschrift PREMIÈRE findet). Vor dem Hintergrund großer Vereinsamung verbindet seine Inszenierung die üblichen Versatzstücke aus Sehnsucht, Liebe, Glück und Geborgenheit mit der Suche nach Ersatzmodellen für den verlorenen Familienverbund - ein Hohelied auf Gemeinschaftlichkeit, eine Komödie mit humanistischem Anstrich.

Camille (Audrey Tautou, berühmt durch „Die fabelhafte Welt der Amèlie,“ 2001) mischt eine Männer-WG auf. Zunächst friert sich das arme Hascherl in ihrer Pariser Dachkammer fast zu Tode. Der Lohn für ihren Putzfrauen-Job reicht nicht zum Leben (dem sie sich offenbar verweigert) und nicht zum Sterben. Dabei ist sie eine begabte Zeichnerin. Die zufällige Begegnung mit Philibert (Laurent Stocker), der im gleichen Haus eine ererbte Belle-Etage bewohnt, leitet ein schicksalhaftes Treffen der Generationen ein. Camille lädt den Nachkommen alten Adels zu einem bescheidenen Mahl in ihre Klause.

Auch Philibert Marquet de la Tubelière hat seine Macken. Steif, stotternd und schüchtern verkauft sich der exzentrisch gekleidete Hobby-Historiker unter Wert als Postkartenexperte im Museumsshop. So klein das Selbstvertrauen, so weit sein Herz. Davon profitiert der Straßenbekannte Franck (Guillaume Canet), ein äußerst selbstbezogener Typ, von Beruf Gourmetkoch, aus Gewohnheit Frauenheld und nur seiner schlagfertigen Großmutter Paulette (Francoise Bertin) gegenüber weich. Mit ihm teilt Philibert die 300 qm-Zimmerflucht. Als der Adelsspross Camille gesundheitliche Abwärts-Verfassung wahrnimmt, gewährt er ihr ebenfalls Unterschlupf. Bei Franck formiert sich Widerstand, weil eine Frau an Bord, selbst wenn es sich um die gute Fee persönlich handelt, immer Ärger bedeutet. Das der dann vornehmlich von ihm aus geht, steht auf einem anderen Blatt.

Fazit
Da Altmeister Berri dem adaptierten Stoff schon des verpflichtenden Titels wegen einen versöhnlichen Schluss abgewinnen musste, drängt die Macht der Freundschaft natürlich konsequent ans Licht. Gerade darin aber enthüllt sich das originelle Credo der Romanvorlage. Die gegensätzlichen Charaktere sind nicht auf rührselige Herz-Schmerz-Muster festgelegt, sondern moderne Menschen, die alternatives Miteinander anstreben. Anna Gavalda selbst drückte es, auf die spezielle Konstellation der Figuren angesprochen, folgendermaßen aus: „Ich wollte einfach von dieser Zärtlichkeit erzählen; zeigen, dass es kein naives Gefühl, albern oder eine Schwäche ist, sondern eine gefährliche Waffe, ein Eisbrecher, etwas, das einen zugleich sehr verletzlich und total unbesiegbar macht.“ Zweifellos hätte die Regie dramaturgisch etwas stärkere Haken schlagen können; das Potential dafür war ja gegeben. Aber lassen wir uns besser von dieser hypothetischen Annahme nicht beeinflussen. Das würde den Film insgesamt und die herausragenden Darstellerleistungen im Besonderen nur entwerten.

Bewertung
80%

© 2012 Martin Graetz
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