Bruch im Gewissen
| Titel | Klopka - Die Falle |
| Filmbewertung vom | 08.10.2007 |
| Redakteur | Martin Graetz
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Film Bewertung Verständlicherweise reflektierte der Balkan nach Ende der völkischen Raserei zunächst die nationalen Befindlichkeiten. Heute aber betont sein Kino wieder stärker den zwischenmenschlichen Faktor. Während der politischen Umwälzungen innerhalb der postkommunistischen Ära dürfte sich ja auch hinreichend Potential für große Geschichten angesammelt haben. Das klingt in diesem serbischen Psychodrama um den moralischen Kontrollverlust eines Familienvaters deutlich an. Wobei „Die Falle“ freilich nicht als spezifischer Indikator serbischer Verfasstheit dienen kann. Die Bilder moralischer Verwahrlosung gleichen sich hüben wie drüben zu sehr, als dass die realitätsnahe Versuchsanordnung des Films bei uns Schrecken verbreiten könnte. Ein sozialkritisches Schauspiel selben Inhalts ist ohne weiteres auch bei uns vorstellbar - theoretisch jedenfalls. In England gab es dazu mit „Irina Palm“ bereits das adäquate Gegenstück. Nicht so sehr der äußere Rahmen ist es, dem der Streifen seine Brisanz verdankt (und der die kunstvoll umgesetzte Geschichte von Verbrechen und Strafe in Serbien zu einer der erfolgreichsten Produktionen des Jahres werden ließ), sondern das seelische Dilemma seines Protagonisten. Regisseur Srdan Goluboviè gräbt tief bei Dostojewskij, Freud, und Tolstoi, um die schicksalhaften Verstrickungen von Mladen (Nebojsa Glogovac) und Marija (Natasa Ninkovic`) zu verdeutlichen. Die äußerst anspruchsvolle Tonlage des Films bestimmt Psychologie, Philosophie und - nicht zu knapp - Schwermut. Zwar löst der „Psychothriller“ nicht in allen Belangen das hymnische Versprechen des vorauseilenden Presse- und Festivalechos ein. Aber er wuchtet immerhin - statt manch drögem Schamanengesäusel westlicher Kollegen - gesellschaftliche Relevanz ins Kino.
Der Film stellt eine der schwerwiegendsten Fragen überhaupt: Wie weit ist der Einzelne bereit zu gehen, um das Leben eines geliebten Menschen zu retten? Bauingenieur Mladen und Marija gehören der Mittelschicht an. Sie führen ein ganz normales Leben. Doch ihr Familienglück ist fragil. Bei ihrem kleinen Sohn wird eine lebensbedrohende Herzkrankheit diagnostiziert.
Alle Versuche, sechsundzwanzigtausend Euro für die nur im Ausland mögliche Operation beizubringen, schlagen fehl. Da meldet sich ein ominöser Fremder (Miki Manojlovic` - der schon bei „Irina Palm“ dem etwas anderen Geldeintreiber Kontur gab), um einen kriminellen Deal anzubieten: Mladen bekommt die erforderliche Summe, wenn er als Gegenleistung einen skrupellosen Geschäftsmann tötet. Ein höchst unmoralisches Angebot des Dunkelmanns, auf das der verzweifelte Vater schließlich trotz prinzipieller Vorbehalte eingeht. Denn eben erst überlebte der Junge einen Anfall nur knapp. Mladen wird zum Killer. Er entscheidet sich für einen von zwei Pfaden; beide enden in die Hölle.
Fazit Dieseits der Grenze wurde der Schuld und Sühne-Variation (nach einer Novelle Nenad Teofilovics) verschiedentlich sein geringes Tempo und seine inhaltliche Vorhersehbarkeit angekreidet. Dagegen ließe sich einwenden, dass „Klopka“ die depressive Grundstimmung, unter der das Land nach Milos`evic leidet, sehr genau wieder spiegelt. Und die verträgt sich nun mal nicht mit Hochgeschwindigkeitsunterhaltung. Gut, man erahnt den Fortgang des Geschehens. Dennoch behält die Spirale von Schuld und Isolation als Folge des Verbrechens dank seiner differenzierten Bildsprache ihre düstere Faszination, deren Sogwirkung sich offenbar doch mancher entziehen kann.
Bewertung
80%
© 2012 Martin Graetz
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