Für den unbekannten Hund - Redaktionelle Kommentare Film

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Die Unglaublichen

TitelFür den unbekannten Hund
Filmbewertung vom03.12.2007
RedakteurMartin Graetz
Martin Graetz
Für den unbekannten HundFilm Bewertung
Schon ihrem selbst produzierten Debüt „Oi! Warning – Leben auf eigene Gefahr“ (1999) haftete das geschäftsschädigende Odium absoluter Kompromisslosigkeit an. Dafür wissen sie über die realen Gefährdungen durch rechtradikale Glatzen (die sie darin thematisierten) inzwischen mehr, als ihnen gesundheitlich gut tut: Zweimal wurden die Zwillinge Dominik und Benjamin Reding (38) von des Führers armseligen Stiefelknechten krankenhausreif geprügelt. Sage und schreibe fünf Jahre Abstand schoben die Beiden zwischen Recherche und Kinostart, um dann überaus engagiert auf die männerbündische Gegenwelt der Skins zu reagieren. Zwischen dieser und der aktuellen Produktion liegen gar sieben lange Winter – während derer hoch dotierte Regiekollegen für den unbekannten Hund aus Braunau Schrott bunkerten. Die Redings hingegen warten mit ihrer zweiten Arbeit spektakulär auf. Dass die abermals zu einer Tour de Force geriet, geht dito auf das Konto der braunen Zombies Die physische Bedrohung während des Drehs nahm offenbar unkontrollierbare Ausmaße an. Schließlich mussten sämtliche Sets rund um die Uhr vor dem gewaltbereiten Jungvolk bewacht werden. Angesichts derartig schwieriger Rahmenbedingungen ist das Resultat noch beachtenswerter. Die Familienbande der Reding-Brothers haben sich als künstlerische Symbiose durchgesetzt. Wann zuletzt mögen innerhalb der Branche schlappe 1,3 Mio. € so sinnvoll angelegt worden sein. Da bleibt der kritische Betrachter doch gern mal in der Warteschleife.

Gegenüber „Oi! Warning“ ist ihr neues Werk visuell ein Quantensprung. Es spielt hinsichtlich seiner kreativen Eigenwilligkeit und seinem unberechenbaren Erzählduktus in einer speziellen Liga, bleibt dem Vorgänger aber in seiner Grundhaltung wesensverwandt.

Moralischer und emotionaler Zwiespalt, Schuld, Loyalität und Verantwortung – das ist der Stoff, aus dem die Brüder ein fulminantes Ausnahmedrama gebaut haben. Wobei der wesentliche Reiz des Films von der Form, von der sensationellen Gestaltungskraft der Berliner Kindl bestimmt wird.

Die unglaublichen Zwei rücken auch hier ein Panorama menschlicher Kälte in den Fokus.

Der junge Betonbauer Bastian (Lukas Steltner) hat einen Stadtstreicher erschlagen; absichtslos, aus Langeweile und im strafrechtlichen Sinn folgenlos. Er bittet um Aufnahme in eine Gruppe Wandergesellen. Ebenfalls nicht aus Überzeugung oder Begeisterung, sondern weil er Kumpel Maik (Josef Heynert) fürchtet. Der zwackt ihm als Zeuge der Mordtat tüchtig Schweigegeld ab. Nun gehört die Walz in der überlieferten Version nahezu der Vergangenheit an. Aber sicher ist sie auch heute noch strapaziöser, als ein Rotwein- oder Pilgerwanderweg. Deshalb willigt der erfahrene Festus (Sascha Reimann) nur zögerlich ein, den Jungen auf die traditionelle Wanderschaft der Handwerker zu schicken. Und bald hat der tatsächlich vom „Tippeln“ und der Maloche am Bau die Nase voll - so verschuldet man Arbeitsunfälle. Festus gibt dem Gestrauchelten eine zweite Chance, denn auch seine eigene (Steinmetz)-Weste ist nicht rein.

Fazit
„Ein Geheimnis zeigen, ohne es preis zu geben“ benennen die Regisseure ihre Vorgabe, „eine große, epische Geschichte von A bis Z zu erzählen.“ Ideengeber wider Willen war übrigens ein ähnlich brutaler Mord in Ostdeutschland. Den seinerzeit echten Schlagzeilen folgt jetzt ein Film, der mindestens so viel Mut wie künstlerische Potenz erforderte.

Bewertung
80%

© 2012 Martin Graetz
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