Schmetterling und Taucherglocke - Film

(1 Bewertung, Details)
Schmetterling und Taucherglocke

Der ehemalige französische Elle-Chefredakteur Jean-Dominique Bauby ist 42 Jahre alt, als er urplötzlich aus seinem gewohnten Leben, mit all seinem Galmour und Style, gerissen wird. Mit dem Blinzeln seines Auges diktiert Bauby seine Memoiren und lässt darin nicht nur sein Leben Revue passieren, sondern auch ganze Gedankenwelten entstehen, die ihn erkennen lassen: Glück bedeutet zu realisieren, dass man liebt und geliebt wird…

TitelSchmetterling und Taucherglocke
OriginaltitelLe Scaphandre et le Papillon
GenreBiografie, Drama
ProduktionslandFrankreich, USA
Produktionsjahr2007
Kinostart-Datum27.03.2008
Erststart27.03.2008
FSKFreigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit112 Min.
Regie Julian Schnabel
Darsteller Marie-Josée Croze, Gérard Watkins, Isaach De Bankolé, Jean-Pierre Cassel, Max von Sydow, Michael Wincott
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Produzent(en)François-Xavier Decraene, Pierre Grunstein, Kathleen Kennedy, Jon Kilik, Jim Lemley
WebsiteSchmetterling und Taucherglocke Website
Verleih Prokino Filmverleih GmbH
Schmetterling und Taucherglocke - Limited Edition, DVD
Buch/DrehbuchRonald Harwood, Jean-Dominique Bauby
KameraJanusz Kaminski
Kamera- u. Elektrik-CrewFrançois Amadei, Damien Auriol, Jérôme Baudoin, Sébastien Courtain, Adrien Debackere, Pascal Delaunay, Olivier Fortin, Jan Gagnaire, Germain Garziano, Antonin Gendre, Etienne George, Alexandre Gotkovski, Yann Grelot, Geoffroy Hassoun, Damien Jousselin, Gilbert Lecluyse, Mikael Monod, Pascal Morisset, Benoît Pain, Ludovic Petit, Steeven Petitteville, Michel Revest, Alexandre Ricco, Roland Savoye, Vincent Tulasne, François-Xavier Walter, Jörg Widmer
KostümOlivier Bériot
MaskeOlivier Alonso, Florence Batteault, Sandrine Cirilli, Raphael Cornillon, Elizabeth Delesalle, Thierry Di Cecca, Mélanie Gerbeaux, Christian Gruau, Myriam Hottois, Benoît Lestang, Laure Moulin, Geoffroy Selley, Chloé Van Lierde
MusikPaul Cantelon
ProduktionsmanagerVirginia Anderson, David Artigala, Virginie Bernard, Olivier Billard, Delphine Brunet, Gwenael Camuzard, Xavier Champagnac, Sebastien Cosset, Sébastien Coulet, Mathieu Desouches, Deborah Dours, Stephan Guillemet, Maud Hubert, Olivier Jacob, Emilie Larribaut-Guinguene, Vincent Lefeuvre, Logan Lelièvre, Julien Linières, Anne-Claire Loridant, Emmanuel Mathieu, Julien Minet, Jean-Patrick Nourricier, Laurent Platiau, David Thooris
SchnittJuliette Welfling
SpezialeffekteOlivier Afonso, Philippe Alleton, Jean-Claude Dauphinot, Georges Demétrau, Clive R. Kay, Jérome Miel
StuntsPascal Guégan
SzenenbildMichel Eric, Laurent Ott
TonDamien Bera, Boris Chapelle, Dominique Gaborieau, Damien Lazzérini, Yann Lebrun, Frédérique Liébaut, Vincent Milner, Jean-Paul Mugel, Yves-Marie Omnes, Philippe Penot, Cyrille Richard, Francis Wargnier
Visual effectsElodie Ly Tri
Kommentare (1)add comment

Martin Graetz schreibt:

 
Blinzeln für das Leben

Im Nachwort seiner literarischen Hinterlassenschaft verfügte der Autor, dass ein Teil der Einnahmen aus dem gleichnamigen Buch an eine Stiftung für L.I.S.- Patienten gehen solle. Jean-Dominique Bauby, französischer Star-Journalist (* 1952), verheiratet, Vater zweier Kinder, wurde Anfang Dezember 1995 durch Gehirnschlag aller relevanten Lebensmöglichkeiten beraubt. Die Krankheit schlug ohne jede Vorwarnung, ohne äußere Alarmzeichen zu. Die unmittelbaren Auswirkungen verwandelten den Erfolgsmenschen von einer Sekunde zur anderen in ein hilfloses Wesen, unfähig auch nur ein Glied zu rühren, oder sich sprachlich zu verständigen. [weiterlesen]
Dass der zur Statue erstarrte Mann dennoch zum Chronisten in eigener Sache werden konnte, ist auf die spezielle Form der neurologischen Störung zurückzuführen. Das so genannte Locked-in-Syndrom (L.I.S.) bezeichnet einen Zustand, der den Betroffenen bei erhaltenem Bewusstsein vollständiger Lähmung ausliefert. Besonders heimtückisch empfindet der Patient die akustische Kommunikationsbarriere: Er ist aufnahmefähig wie ehedem, kann sich selbst aber nicht mitteilen. Einziger Lichtblick dieses grauenhaften Eingeschlossenseins im eigenen Körper ist die Fähigkeit, mithilfe von Augenbewegungen Kontakt zur Außenwelt zu halten.
Hier ist vom Gegenpol einer gesellschaftlich akzeptierten Erfolgsstory die Rede. Für Jean-Dominique Bauby endete sowohl die berufliche Karriere, als auch sein privates Glück in der „Taucherglocke.“ Ihn knöpfte sich das Schicksal auf der obersten Sprosse seines beruflichen Aufstiegs vor.

Das umschwärmte Renommierstück seiner Zunft brachte es schließlich bis zum Chefredakteur der internationalen Frauenzeitschrift „Elle.“
Die fünfzehn Monate währende Leidensgeschichte gibt keinen Aufschluss darüber, ob Bauby nebenbei den kommerziellen Effekt anzwinkerte – und der war in der Tat beachtlich. Erlebt hat er ihn jedenfalls nicht mehr. Drei Tage nach Veröffentlichung des Buches (das inzwischen in der 9. Auflage erscheint) verstarb Bauby am 09. März 1997 in jener nordfranzösischen Spezialklinik (Berck-sur-Mer, Garches) an Herzversagen, in der die per Augenlid diktierten Reflexionen aufgenommen wurden.
Sein Vermächtnis: „Macht weiter, aber werdet nicht zu Opfern eurer eigenen Ratlosigkeit,“ interpretiert der amerikanische Regisseur und Maler Julian Schnabel („Basquiat,“ 1996 / „Bevore Night Falls,“ 2000) nun auf kongeniale Weise für die Leinwand. Dass dieses Drama über die Selbstfindung eines aus der Dandy-Welt gefallenen Mannes poetisch aufgeladen sein würde, stand zu erwarten. Erfreulicherweise meidet Schnabel dabei konsequent den Einsatz des Gefühlshammers. Zwar beschwört der Pressetext den „Triumph der Seele im Angesicht einer körperlichen Niederlage,“ bemüht Hehres „von der heilenden Kraft der Phantasie“ und „den Sieg des Geistes gegen die physische Vergänglichkeit.“ Allein, die Inszenierung ist weitgehend kitschfrei. Dafür steht schon das visuelle Gütesiegel der Verfilmung: Steven Spielbergs Hauskameramann (und zweifacher Oscarpreisträger) Janusz Kaminski. Der fängt als Auge des todgeweihten Betrachters Bilder einer persönlichen Katastrophe ein die man nicht so leicht vergisst. Jean-Dominique Bauby selbst beliebte eben jenen eingeschränkten Blickwinkel als „Schmetterling“ zu bezeichnen.

„War ich blind und taub, oder brauchte ich erst ein Unglück um mir über meine wahre Natur klar zu werden?“ Baubys legt der eigenen Sprachlosigkeit gegenüber Rechenschaft ab. Sein Augenblick der Wahrheit beginnt, als er mit einen (Gehirn)- Schlag verstummt, als er auf höhere Weisung vom Mantra luxuriösen Lebensstils entbunden wird. Die nun bleibende Sicht nach innen korrespondiert mit den spezifischen Behandlungstechniken für L.I.S.-Patienten. Als man Bauby das rechte Auge zunäht, versprüht der gedanklich aus dem Off galligen Humor. Angesichts der über ihn gebeugten Vollmundigkeit der Krankenschwester, bemängelt er: „Das ist unfair.“
Julian Schnabel versteht seinen Film als ein Werkzeug zur Selbsthilfe; um zu lernen mit dem eigenen Tod umzugehen.
Jean-Dominique Bauby, der einstige Lebemann „fliegt in seinem inneren Monolog von der Komik zur Tragik, von der Weisheit zur Auflehnung und wieder zurück.“ Seine „Reisenotizen“ werden nie von Selbstmitleid überlagert. Er empfand sich selbst als Noitier de Villefort, eine dunkle Gestalt aus „Der Graf von Monte Christo,“ zum Schweigen verdammt und gefangen in einem Rollstuhl. Das Fenster zur Welt war die Beschreibung seines Innenlebens, das ihm seine Therapeutin durch ein eigens entwickeltes Buchstabensystem ermöglichte. Zum ersten Mal wird hier berichtet, was in einem Opfer des Locked-in-Syndroms vorgeht. Geht „der Akt des Schicksals“ (als den Bauby seine Krankheit deutete) in einer ärztlich unterversorgten Region nieder, ist das Ende des Patienten noch grausamer besiegelt.... denn sie wissen dann nicht, was sie tun sollen.
Die darstellerischen Leistungen insgesamt machen das Drama schon jetzt zu einem Highlight des Jahres 2008. Allen voran Hauptakteur Mathieu Amalric.

Weiter wirken bekannte Stars mit: Emmanuelle Seigner, Max von Sydow. In einer seiner letzten Rollen kann man übrigens auch den vor knapp einem Jahr verstorbenen Jean-Pierre Cassel als Ikonenverkäufer in Lourdes bewundern.
Zur Ergänzung sei dennoch das gleichnamige Buch empfohlen, weil die filmische Adaption naturgemäß nicht das ganze Gedankenspektrum Jean-Dominique Baubys zu erfassen vermochte. Und das ist wirklich sehr ergiebig.

Bewertung: 80%
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25. März 2008
Stimmen: +1

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