Brokeback Mountain - Film

(1 Bewertung, Details)
Brokeback Mountain

Wyoming, 1961: Die Cowboys Jack (Jake Gyllenhaal) und Ennis (Heath Ledger) werden auf Brokeback Mountain als Schafhirten engagiert. Zwischen beiden entwickelt sich schnell mehr als nur eine tiefe Freundschaft - sie verlieben sich ineinander. Doch angesichts der engen Moralvorstellungen und herrschenden Konventionen im rauen Wyoming bleiben ihnen nur getrennte Wege. Beide heiraten, gründen Familien - und kommen doch nicht voneinander los. Nur heimlich können sie über die Jahre Augenblicke des gemeinsamen Glückes genießen, die raue Realität holt sie immer wieder ein. Bis Jack einen letzten verzweifelten Versuch unternimmt für ihre Zukunft zu kämpfen...

TitelBrokeback Mountain
OriginaltitelBrokeback Mountain
GenreDrama, Romanze
ProduktionslandUSA
Produktionsjahr2005
Kinostart-Datum09.03.2006
FSKFreigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit130 Min.
Regie Ang Lee
Darsteller Randy Quaid, Jake Gyllenhaal, Michelle Williams, Linda Cardellini, Heath Ledger, Valerie Planche
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Produzent(en)Michael Costigan, Tom Cox, Scott Ferguson, Michael Hausman, Larry McMurtry, Murray Ord, Diana Ossana, William Pohlad, James Schamus, Jordy Randall
WebsiteBrokeback Mountain Website
Verleih Tobis Film GmbH & Co. KG
Brokeback Mountain - Single Edition,
Brokeback Mountain - Doppel Deluxe Edition,
Bauten/DekorationsbauLaura Ballinger
Buch/DrehbuchE. Annie Proulx, Larry McMurtry, Diana Ossana
CastingDeb Green, Avy Kaufman
KameraRodrigo Prieto
KostümMarit Allen
MaskeMary-Lou Green-Benvenuti, Manlio Rocchetti
MusikGustavo Santaolalla, Marcelo Zarvos
ProduktionsmanagerTom Benz, Gerry Robert Byrne, Scott Ferguson
SchnittGeraldine Peroni, Dylan Tichenor
SpezialeffekteMaurice Routly, Leo Wieser
StuntsKirk Jarrett
SzenenbildJudy Becker
TonMarko A. Costanzo, Michael J. Fox, Eugene Gearty, Frank Kern, Annette Kudrak, Drew Kunin, George A. Lara, Geo Major, Peter Melnychuk, Igor Nikolic, Wyatt Sprague, Reilly Steele, Sara Stern, Philip Stockton
Visual effectsAra Khanikian, Louis Morin, Mark Tureski
Kommentare (1)add comment

Mathias Bornemann schreibt:

 
Direkt vorweg: keine Angst! Wer dergleichen, wie in der provokanten Überschrift erwartet, wird zum Glück nicht bestätigt. "Brokeback Mountain" ist weder Western, wenn auch gerne in der Presse so dargestellt, noch eine Szenestory über zwei Tunten.
Angesiedelt ist die Geschichte in Wyoming, wo Cowboys noch so leben wie sie es seit Generationen schon tun. Hier regiert sowohl der Ton der hart gesottenen Kerle, aber vor allem der der rauen, unwirtlichen Landschaft. Rodeoreiter Jack Twist (Jake Gyllenhaal) und Rancher Ennis del Mar (Heath Ledger) werden im Frühjahr 1963 auf Brokeback Mountain angeheuert, eine Schaafherde vor Wilderern und Wilddieben zu schützen. Keine einfache Aufgabe in der Einsamkeit der Berge. Hand in Hand aber ziemlich wortkarg geht deren Arbeit von statten. [weiterlesen]
Plötzlich jedoch entsteht aus dieser Kameradschaft mehr. In einer bitter kalten Nacht zieht es Ennis in das Zelt von Jack und in dessen Herzen. Zunächst das einmalige Sex-Erlebnis noch ignorierend verlieben sich die beiden Cowboys dennoch ineinander. Doch mit Ende ihrer Arbeit und weder mit der Situation noch mit den daraus folgenden gesellschaftlichen Konventionen umgehen könnend, trennen sich ihre Wege. Eines aber ist beiden klar: das was auf Brokeback Mountain passiert ist, wird fortan ihr Leben begleiten. Eine kleine Schwäche des Films liegt sicherlich im ersten Drittel. Die starke Verbindung der beiden Charaktere wirkt gerade anfänglich etwas holprig und unentschlossen. Schon in einer der ersten Szene beobachtet Jack augenscheinlich den wartenden Ennis im Rückspiegel seines Pickups. Dies ließe also vermuten, er habe sich schon im ersten Augenblick verliebt. Wenig später aber in den Bergen - die beiden sind sich menschlich noch nicht merklich näher gekommen - bietet sich Jack eine voyeuristische Chance. Ennis hockt nackt im Hintergrund bei der Morgenwäsche und bietet so die ideale Möglichkeit zur Beobachtung. Diese aber wird nicht wahrgenommen. Danach wiederum, in der besagten Nacht, ist Jack dann doch derjenige, der eindeutig die Initiative ergreift. Man fragt sich also zu Recht, ob die Beziehung eine Art Liebe auf den ersten Blick oder aber eine sich entwickelnde Liebe darstellt. Wie der weitere Verlauf zeigt, handelt es sich eher um Zweiteres, und das verleiht der Story auch eindeutig mehr Substanz. Was nun folgt, sind die nächsten zwanzig Jahre im Leben der zwei. Beide heiraten und gründen eine Familie, treffen sich aber dennoch unter dem Deckmantel der Freundschaft immer wieder mehr oder minder heimlich. Dies ist dann auch die Phase, in der die Liebesgeschichte richtig in Fahrt kommt und deren Höhen und Tiefen dramatisch aufzeigt. Beide sind unerfüllt in ihrer Partnerschaft und wissen: sie können nicht ohneeinander leben. Dennoch gelingt es ihnen auch nicht, aus dem Gefängnis der Ehe auszubrechen. Dieser recht ruhig erzählte Part, wie auch der Schluss, sind emotional absolut packend.
Bei der Wahl der beiden Hauptdarsteller hat Ang Lee, der für "Brokeback Mountain" auch einen Oscar erhielt, einen Volltreffer gelandet. Mit Heath Leger, zuletzt in "Brothers Grimm" zu sehen, und Jake "Donnie Darko" Gyllenhaal sind hier zwei der charismatischsten Jungschauspieler Hollywoods vertreten. In Ihrem Auftreten verkörpern sie glaubhaft sowohl den stark männlich geprägten Part äußerlich, als auch die sensible Seite innerlich. Dazumal sind sie allemal eine Augenweide. Auch die Nebenrollen mit Michelle Williams ("Land of Plenty") und Anne Hathaway ("Plötzlich Prinzessin") sind sehr stark und prominent besetzt. Nicht zuletzt gab es allein für die schauspielerischen Leistungen drei Oscarnominierungen.
Für den Soundtrack konnte der Argentinier Gustavo Santaolalla, auch diesjähriger Gewinner des Acadamy Awards, verpflichtet werden. Mit seinen ruhigen Gitarrenklängen unterstreicht er immer wieder die landschaftliche Atmosphäre und die emotionale Befindlichkeit, ohne aufdringlich zu wirken. Derlei Musik setzte er auch schon in seinen letzten Hollywoodproduktionen, wie "Die Reise des jungen Che" und "21 Gramm" ein, was ihn für letztgenannten den begehrten World Soundtrack Award 2004 einbrachte. Gespickt wird die musikalische Untermalung zudem mit Klassikern aus dem Country-Genre, wodurch ein abwechslungsreicher und der Region entsprechend stimmiger Soundtrack entsteht. Der dritte und letzte Preis der acht Oscarnominierungen ging an das Drehbuchteam Larry McMurtry und Diana Ossana. Beruhend auf der Pulitzerpreisprämierten Kurzgeschichte von Annie Proulx gelang den Autoren ein atmosphärisch dichtes Script, das neben den Bildern und den Darstellern den Film zu einem fast perfekten Kinoerlebnis formt.
"Brokeback Mountain" ist nicht nur eine wahrlich herzergreifende Liebesgeschichte, sondern eben auch eine Geschichte über Sehnsucht, Verlangen und der Agonie eines verschwendeten Lebens. Mag sie homosexueller Natur sein und deshalb nicht unbedingt den breiten Publikumsgeschmack treffen, so ist sie dennoch keineswegs eine Story, die nur für Schwule interessant ist, da sie auch auf andere Lebensumstände übertragen werden kann. Das ergreifende Moment ist eben die Tragik, dass die Liebe der beiden eine verbotene Zone darstellt. Gerade in Zeiten von weitestgehender Anerkennung schwul/lesbischer Rechte, könnte man meinen, hat der Film keine sonderlich große Bedeutung. Betrachtet man aber die sonst übliche, klischeehafte Darstellung Homosexueller, ist dieses Drama genau der Gegenpol. Der, der zeigt, dass Liebe unter Männern nicht zwangsläufig etwas mit Tuntengehabe und weibischer Art zu tun haben muss. Ein Beispiel also dafür, die gleichgeschlechtliche Lebensform gesellschaftlich weiter zu integrieren. Mit diesem Film hat Ang Lee nach dem 1997 erschienen und viel diskutierten Gesellschaftsdrama "Der Eisturm" wieder einmal Mut bewiesen und wurde diesmal durch zahlreiche Preise und auch dem Erfolg an den amerikanischen Kinokassen belohnt. "Brokeback Mountain", der bereits im Vorfeld für so viel Aufsehen gesorgt hat, ist sicherlich eines der großen Kinoereignisse des Jahres, das man keineswegs verpassen sollte.
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16. Februar 2008
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